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Unterhaltung auf höchstem Niveau boten die Vogtland Philharmonie und namhafte Solisten zur Doppelveranstaltung des Klassiksommers.
Foto: Franko Martin

Reichenbach. Die Vogtland Philharmonie kann sich nicht nur hören, sie kann sich auch sehen lassen. Freitagabend, zum Auftakt des Klassiksommers im Reichenbacher Park der Generationen trat das Orchester bei "Sounds of Hollywood" in Sachen Optik gegen stärkste Konkurrenz an und wusste sich glänzend zu behaupten. Auf der 7,5 mal 5 Meter messenden und aus 98 Bildschirmen bestehenden LED-Wand blitzten nicht allein die zu den Soundtracks gehörenden Filmszenen auf; in regelmäßigen Abständen kamen auch die Musikerinnen und Musiker ins Bild. Dabei wurde ein ums andere Mal deutlich: Hinter den Notenpulten geht es kaum ruhiger zu als in den von Turbulenz und Leidenschaft erfüllten Sequenzen aus "James Bond", "Batman", "Titanic" oder "Sister Act". In einem fort waren weit ausholende Streicher, kraftvoll zu Werke gehende Schlagwerker oder hochkonzentriert agierende Bläser zu beobachten.


Vom Dirigenten und Moderator Stefan Fraas ganz zu schweigen, der mal spitzbübisch lächelnd, mal mit magischem Maestro-Blick restlos bei der Sache war. Und die Ruhe selbst. Als bei Judith Lefeber, der hinreißenden, vor allem die Sparten Soul, Blues und Musical bedienenden Sängerin, das Mikrofon einmal schwieg, stoppte der Mann im weißen Frack elegant das Orchester. Während der herbeigeeilte Techniker für Abhilfe sorgte, kommentierte Fraas schlagfertig: "Das ist eben live." Da gab es Beifall von den gut 1200 Besuchern. Doch die Szene war bald vergessen angesichts der Wucht der Bilder und der Musik.


Immerhin stemmte ein sinfonisch besetztes Orchester alle Nase lang einen anderen Sound, der im Original meist im Studio unter Zuziehung mannigfaltiger digitaler Technik gemixt wurde. Und auch die Solisten, zu denen noch Jasmin Graf, Thomas Hahn, Saxofonist Reiko Brockelt und das Background-Trio Voc A Bella gehörten, drehten auf. Zudem verblüffte die Abstimmung zwischen LED-Wand und Ton, für die in bewährter Weise Orchesterdirektor Ulrich Wenzel sorgte. Der vielleicht schönste Effekt gelang bei Freddie Perrens Musik zu "Vier Hochzeiten und ein Todesfall". Haargenau in dem Moment, als die hohen Streicher kraftvoll einsetzten, legten auch zwei junge Leute im Film auf ihren Violinen los.


Geprägt von einem reizvollen Kontrast war das mit "Best Of Classics" überschriebene zweite Konzert Samstagabend, bei dem die erneut unter Stefan Fraas musizierende Vogtland Philharmonie vor allem als versierte Begleiterin in Erscheinung trat. Bis zur Pause beherrschte gediegene Opern-, Operetten- und Musicalkost das Feld. Und auch der Humor kam dank der zwei aufgebotenen Solisten nicht zu kurz. Bei der in Plauen geborenen Katrin Weber, die das Podium mit "Ich grüße mein Vogtland" betrat, reichte das komische Element am Ende sogar weit ins Musikalische hinein, als die Entertainerin stimmlich gekonnt, aber freilich mit eigenen, doppelbödigen Texten Diven wie Dalida, Milva oder Nana Mouskouri parodierte. Der gebürtige Eisenberger Gunter Emmerlich, der seiner Holzlandheimat ausgesprochen freundschaftliche Beziehungen zum Vogtland bescheinigte, punktete mit trocken servierten Gags und - etwa bei "Ol' Man River" - dem tief reichenden weichen Bass.


Fulminante Stimmen waren auch im zweiten, Rock und Pop gewidmeten Teil zu hören, bei dem Voc A Bella und die Leipziger René-Möckel-Band den von der Technik mit viel Fingerspitzengefühl gesteuerten Sound um unentbehrliche Klangfarben bereicherten. Die Südafrikanerin Tertia Botha ließ dank ihres dunkel funkelnden, kehligen Timbres Songs von Katy Perry oder Beoncé Knowles zum Erlebnis werden. Franco Leon schulterte mit biegsamer, nicht die geringste Müdigkeit kennender Stimme gleichfalls Perlen des Metiers und stellte eindrucksvoll seinen behaupteten Tonumfang von dreieinhalb Oktaven unter Beweis. Er bewältigte ein Duett aus Andrew Lloyd Webbers Muscial "Phantom der Oper", indem er ohne Abstriche im Wechsel Sopran- und Baritonpart übernahm.

Der erste Klassiksommer der Vogtland Philharmonie im Reichenbacher Park der Generationen ist ein voller Erfolg geworden. Insgesamt kamen rund 2000 Besucher, und sie fühlten sich - das ließ der Beifall erkennen - bestens unterhalten. Wer hätte anderes erwartet? Es lag auf der Hand: Die Philharmonie, die unter GMD Stefan Fraas und im Verein mit gestandenen Solisten deutschlandweit publikumsträchtige Open Airs bestreitet, würde zu Hause die Prüfung gleichfalls bestehen.
Aber wie geht's nun weiter? Wird es weitere Auflagen des Konzertwochenendes geben? Bleibt es dann bei populären Programmen, die den "Klassik"-Begriff großzügig auf alles, was garantiert ankommt, ausdehnen? Oder könnte ein ernster gehaltener Teil hinzutreten - vielleicht in Kooperation mit qualifizierten Chören der Region? 2014, war am Samstag zu erfahren, wird die Vogtland Philharmonie pausieren. Muss damit, zumal am Raumbach eine Kleine Gartenschau geplant ist, der Klassiksommer eine Pause einlegen? Sicher ist vor Ort in anderen Dimensionen zu denken als in Musik-Hochburgen wie Leipzig oder Dresden. Andererseits verlangt der Park der Generationen nach niveauvollen Veranstaltungen. Stefan Fraas hat dafür am Wochenende das beste Stichwort gegeben, als er das Areal den schönsten Open-Air-Konzertsaal des Vogtlands nannte.

erschienen am 15.07.2013 ( Von Volker Müller )







 




 

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