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Reichenbach. Die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts ist eine Prüfung ohnegleichen. Traumhaft schön, ohne Ecken und Kanten, aber auch hinreichend tiefgründig und gedankenschwer soll sie sein. Mit dem Flötisten Pirmin Grehl war am Mittwochabend im Reichenbacher Neuberinhaus beim 4. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie ein Solist zu erleben, der dem Ideal verdächtig nahe kam. Der 1977 in Rodalben, einem Städtchen in der Südwestpfalz, geborene Musiker, Soloflötist am Konzerthausorchester Berlin und Professor in Luzern, spielte Mozarts um die Jahreswende 1777/78 in Mannheim entstandenes G-Dur Konzert KV 313.
Das Stück kann sich kaum mit den früher geschaffenen Geigenkonzerten oder dem späten Klarinettenkonzert messen, wo die Einfälle nur so purzeln und das meiste fast von allein schon singt und klingt. Bei Grehl wird auch das Flötenkonzert zum Ereignis. Dank der überragenden Technik des Bläsers, seines wandlungsfähigen Tons wie seines Witz und Esprit atmenden Temperaments strahlt der kaum zu bremsende Übermut des jungen Komponisten in den Saal, wird das souveräne Spiel mit Themen und Takten plastisch, das aus simpelsten Bausteinen im Nu uneinholbare Kunst werden lässt. Es gab tosenden Beifall. Nach dem fünften Vorhang legte Grehl noch eine Sarabande von Johann Sebastian Bach zu, rhythmisch frei gestaltet und tonlich deutlich abgesetzt vom bis dahin Gebotenen. Hier überwand das Instrument der Bostoner Firma Brannen Cooper auch den letzten Rest Schwere und streifte einmal alle Keckheit ab.
Dass die Vogtland Philharmonie zuvor einige Takte brauchte, um in der filigran gearbeiteten Mozart-Partitur Fuß zu fassen, war nur allzu verzeihlich. Zu Beginn hatte man Vítezslav Nováks fünfsätzige "Slowakische Suite" auf den Pulten liegen. Der von Chefdirigent Jirí Malát empfohlene, in Tschechien hochgehaltene, aus dem südböhmischen Kamenice nad Lipou stammende Dvorák-Schüler, der von 1870 bis 1949 lebte, favorisiert einen dichten Orchestersatz, ein breites Pathos sowie eine eher gemächliche Entwicklung des musikalischen Gedankens. Das Orchester fand unter Malát beeindruckend Zugang zu dieser etwas schwerblütigen, trotz ihres ländlichen Kolorits über weite Strecken in sich gekehrten Komposition, und beim Publikum kam der Auftakt gleichfalls an.
Alles in den Schatten freilich stellte die nach der Pause erklingende "Nussknacker-Suite" von Peter Tschaikowski, wobei Feingefühl und Mut des Dirigenten wahrlich nicht zum ersten Mal Hand in Hand gingen mit einer hoch motivierten, spielfreudigen Philharmonie. Es war nicht so, dass in dem Musterstück der Instrumentationskunst alles glattging. Das ist - wenn man die Ohren nur weit genug aufmacht - im Übrigem kaum irgendwo der Fall. Malát und den Seinen gelang es, diese tausendfach gehörte und seit geraumer Zeit durch Werbeclips auch rigoros vermarktete Musik als etwas Taufrisches und Unerhörtes erscheinen zu lassen. Das begann mit der Ouvertüre, bei der ein rasantes Tempo angeschlagen und durchgehalten wurde. Da ging dies und jenes mozartisch angelegte Detail unter, aber das Ganze stimmte. Die cantablen Stellen der Streicher verströmten seidige Eleganz, und die Einwürfe der Bläser blitzten atemberaubend auf.
Der konzertante Triumphzug endete mit einem "Blumenwalzer", der entgegen mancher gängigen Lesart mindestens so viel Slawisches wie Wienerisches hatte, bei dem die tiefen Streicher richtig Ton geben durften, die Holzbläser im Unisono zu einer Macht wurden und das Blech - angeführt von den Trompeten - ganz im Sinne des Komponisten unbekümmert strahlte.
 
Freie Presse, erschienen am 21.12.2012 ( Von Volker Müller )







 

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